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Die Collagen entstehen aus Dingen, die ich finde. Nein, die mich finden. Überall auf der Welt. Verkleinerte Entsprechungen – Imaginationen meiner Welt(en).
Papierschnipsel, Plastik-, Holz-, Metallteilchen. Einkaufslisten, Gekritzel auf „fremden“ Zetteln.

Der vergrößerte Blick.
SPANNUNG.

DAS FREMDE ist vertraut, schön, sinnlich. Exakt meins.
Aus dieser Spannung beginnt sich in Kombination mit weiteren Fundstücken ein BILD zu entwickeln.

Der komprimierte Blick.
KONZENTRATION.

Verwende nur selbst Gefundenes.
Alle Fundstücke bleiben immer und in jedem Fall unverändert, streng im aufgefundenen Originalzustand. Nichts wird gewaschen, gefaltet, geschnitten. Niemals!
Die Dinge tragen Geschichte ja bereits in sich, haben keinerlei Manipulierung notwendig.

Bildtitel kommen intuitiv immer linkshändig daher, obwohl Rechtshänderin. Oft in Englisch. Signatur verändert sich je nach Arbeitsphase mit.

Mein Leben lang bis an die Schmerzgrenze VISUELL. Hundert Augen in mir gleichzeitig zu bewältigen. Die Fundstücke helfen dabei, sind für mich Orientierung, ZEICHEN, Totems und Wegweiser in den Städten, zu Ausfallstraßen unter den freiem Himmel und zurück. Originalstücke, Spuren persönlicher, anonymer Moment-Chroniken mir völlig unbekannter Menschen. Später erst eigene Geflechte und Verbindungen, Orte, Träume, BILDER, Geheimnisse, Reisen, Sex und Tod.
An keinem Tag weiß ich, was mich findet, welche Geschichte daraus wird. Bringe die Fundstücke auf dem Papier miteinander in Verbindung.
Selbst-erfundene Dialoge mit meinen „obsessive persons“
in den „short pornos“. Bei diesen zwischen gefundenen Zetteln, Einkaufslisten von Fremden und Fotos.

Die Fundstücke eröffnen sich mir voll Energie, sehr lebendig . Vor allem: SICHTBAR, während ich selbst das Gefühl habe, unsichtbar zu sein. Erst durch Fertigstellung eines Bildes eigene Konturen wieder fühlbar.
Vertraute und neue Zusammenhänge. Vergangenheit, Zukunft, JETZT.
Sehen, aufheben, verarbeiten ist Kontaktaufnahme mit der Welt, wie ich sie erlebe. An jedem Ort der Welt auf andere
Art & Weise. Bleibe so im Dialog anstelle von Wortlosigkeit.

Zwischen den Fundstücken und mir eine Art geheime Kommunikation – spannende Dialoge, stille Abmachungen.
Sie weisen der leidenschaftlichen Spurenleserin in mir den Weg. Folgen uns gegenseitig lustvoll entlang dieser tracks innerer Wegweiser und Leitsysteme.
Ich träumte, roch, fand, klebte „Eisberge“ und folgte ihnen bis hinauf nach Grönland. Reise in den Mittelpunkt der Bilder.
FINDEN, AUFTAUCHEN, ENTKOMMEN.

Die Arbeiten bändigen Einsamkeit, Eingeschlossen- und Verlorensein in Straßen, Verglühen in heißen Sonnen, verdichten und vergrößern die Welt. Schaffen Platz für Träume, führen das Unerträgliche ad absurdum. Die Bilder machen die Welt durch ihre stille, für mich so intensive Präsenz zu einem surreal-sinnlich-spannenden, wunderschönen, oft aber auch erschreckenden Ort.

Collagen-machen in Phasen. Durcharbeiten. Pausen. Neuanfang.
Berge von Fundstücken auf dem Tisch.Zu Arbeitsbeginn nach längeren Pausen lasse ich alle durch meine Finger gleiten.
Wieder erinnern, umeinander herumstreichen, stummer, intensive Dialog. Langer, konzentrierter Arbeitsprozeß. Klares Bild am Ende.

Loslassen.
ENTSPANNUNG.
GO!

Löcher in undurchdringlichen Mauern werden für mich sichtbar.
Alles ist und bleibt in Bewegung. ESCAPE!
So ist es gut.
Ich bin süchtig nach der STILLE in den BILDERN.

© Barbara Vögel